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Hermannslauf 2007

Das Schlimmste gleich vorneweg: Mit zunehmendem Alter ist der Muskelkater unmittelbar nach dem Herzmannslauf genauso groß wie all die anderen Jahre. Wenn ich aufstehe zwickts überall, dieses Jahr vor allem in der Leistengegend. Heute, ich habe frei, gönne ich mir einen ruhigen Tag am Schreibtisch, das Aufstehen jedes Mal wenn ich doch den Raum wechseln muß ist eine reine Qual. Warum nur, warum tue ich mir das jedes Jahr immer und immer wieder an? 31,1 km durch den Wald rennen mit einer 100%igen Sicherheit die nächsten Tage nur noch unter Schmerzen sich zu bewegen! Warum nur?

Die Antwort ist einfach: Weil es Spaß macht. Weniger der Muskelkater hinterher, obgleich er einfach dazugehört. Nein, die Stunden vorher, der letzte Sonntag im April, Jahr für Jahr, sie sind es die mich immer wieder neu motivieren. Es bedarf heutzutage keiner Überlegung mehr OB ich den „Hermann“ mitlaufe, auch wenn ich immer wieder vorher (und auch nachher) gefragt werde. Nein, diese Frage stellt sich nicht mehr für mich, der „Hermann“ ist Kult, er ist ein Muß, er lässt die Frühjahrsmüdigkeit vergessen, er lässt das Angefutterte aus dem Winter verschwinden, er ist das Ereignis, das mir das Adrenalin ins Blut schießen lässt. Die einzige Frage die ich mich in dem Zusammenhang stelle ist einzig allein die Frage „was ziehe ich an?“

Nun, diese Frage war auch in diesem Jahr sehr schnell beantwortet – möglichst kurz. Jedes Stück Stoff, das nicht wirklich sein musste, war eindeutig zu viel, bei 23°C mit Ostwind (Rückenwind) ist kurz zu lang.
So fuhr ich gestern morgen gegen halb neun mit meinem Vater und meiner Freundin von daheim los, sie ließen mich an der Kunsthalle raus und fuhren weiter – wie jedes Jahr zur Panzerstrasse, ihr persönlicher Herzmannslauf begann schon viel früher.

Mit einer kleinen Runde durchs Gymnasium am Waldhof ging ich zu den Bussen. Heute war’s irgendwie anders, irgendwie schon viel voller als sonst. Die Massen standen an den Bussen bereit, ich wartete auf meinen Onkel. Mein Knopf im Ohr brachte mich schon mal ein wenig in Stimmung. Als mein Onkel dann kam ging es auch gleich los, ein bisschen Drängeln, ein bisschen Schubsen aber alles im Rahmen (klar!) und schon saßen wir im Bus, schon ging es Richtung Hermannsdenkmal. Und hier geht es zu wie immer, von vorne hört man wer wo gerade letztes Wochenende einen Marathon (zur Vorbereitung auf den Hermann) absolviert hat, von hinten wird tiefgestapelt und alle möglichen Stellen aufgezählt, die zwicken, wo es schmerzt und einem bestimmt die Bestzeit rauben wird. Ich reihte mich in die (hintere ) Reihe ein und gab schon mal vorab eine Begründung ab, warum gerade heute es nicht laufen könnte, das Zwicken in der Achillessehne in den letzten Tagen beunruhigte mich schon ein wenig.

Die Fahrt verlief ruhig und schnell, schon waren wir dort. Ich glaub so früh waren wir noch nie dort – kurz nach zehn. Gottlob war es ja schon recht warm, die Sonne strahlte wie ein Weltmeister und an gleicher Stelle auf der Wiese warteten wir auf die Dinge die da kommen werden. Man konnte herrlich die Leute beobachten, wie sie scherzten, wie sie in sich vertieft ihre Muskeln kneteten, jeder hat nun mal eine andere Taktik sich vorzubereiten.

Dann war es soweit, der Trainingsanzug wurde ausgezogen, die Startnummer angebracht, alles ordentlich im Sack verstaut und auf den bereitgestellten LKWs geworfen. Langsam trabend an der Wiese gingen wir zum Startbereich, der dieses Mal ein wenig größer erschien als sonst. Kommt man den unteren Weg herauf, so landet man automatisch im Startbereich C. Ein kleiner Umweg war nötig um nach B zu kommen, wo schon dicht gedrängt die Leute standen.

Ein kühler Wind ging dort unter den Bäumen, der einen leicht frösteln ließ. Die Uhr vorne an der Starlinie konnte ich nicht sehen, dafür war die Natur in diesem Jahr schon einfach viel zu weit. Plötzlich brandete Applaus auf, von vorne aus Block A kommend schwappte er immer weiter nach hinten, bis er hinten ankam. Ich sah vorne die Masse sich bewegen, das war wohl schon der Start zum Hermann 2007. Hatte gar keinen Startschuss gehört. Kurz darauf wurde Block B aufgemacht und wir konnten langsam nach vorne. Noch ein bisschen Dehnen, ein bisschen den Fuß kreisen, locker werden. Wieder brandete von vorne Applaus auf, die letzten 30Sekunden wurde gebannt auf die Uhr geschaut. Aber irgendwie war es anders als sonst. Irgendwie verging die Zeit wie im Flug und es war schon soweit. Das Kribbeln fehlte ein bisschen, die Spannung war noch nicht da, irgendwie lief es an mir vorbei, ich war noch nicht soweit. Aber wer will schon die Massen aufhalten, nur weil ich noch nicht soweit war.

Langsam gingen wir los, über die Starlinie gingen wir auch, noch war nichts mit laufen, dann ging es los. Entspannt ging es in den Trab, dann konnte man laufen. Um die Kurve rum, den Berg leicht runter, alle wirkten gar nicht hektisch. Als ich halb um den Hermann rum war schaute ich mich verwundert um. Hinter mir war eine Lücke von mind. 5m und vor mir auch. Der Läuferchip sei dank geht es viel besser am Hermann weg ohne großes Drängeln.
Anschließend geht’s steil die Strasse bergab, hier sind alle noch mit sich selbst beschäftigt, es ist ruhig, kaum einer spricht. Danach geht’s rechts ab auf den Schotterweg und hier zeigt, wie trocken es in den letzten Tagen war – Staub wirbelt auf, eine große Wolke liegt über den Läufern, die einem auf den Atem schlägt und den Mund trocken macht.

Plötzlich merke ich wie 10m vor mir etwas passiert ist. Die Läufer schrecken auf, werden aus der Konzentration gerissen. Einen Läufer hat es lang hingeschlagen, als ich an ihm vorbeilaufe hält er sich schmerzverzerrt den Fuß. Höchste Konzentration ist angesagt, gerade hier, wo immer wieder der Hintermann den Abstand unterschätzt und einem in die Hacken tritt. Das noch nicht mehr passiert ist grenzt immer wieder an ein Wunder.
Endlich ist es geschafft, endlich sind wir unten, endlich die Strasse, hier ist mehr Platz, hier lässt es sich locker laufen. Als es wieder rein in den Wald geht, etwas bergauf, da überholen mich zwei Läufer in orangenen T-Shirts. Hintendrauf steht „Helden sterben nicht im Bett“. Jungs, danke, das war die passende Motivation.
Als es am Reitweg Richtung Ehberg ging stoppte es das ein oder andere Mal: Stau, hier ist es inzwischen so voll geworden, dass ein kleiner Bremser (verursacht durch Bäume die etwas auf den Weg ragen) die Hintermänner auch ausbremst und Stau vorprogrammiert ist. Dazu kommt auch hier immer mehr Sand durch.

Den Ehberg nehme ich gut, schaue dabei schon das ein oder andere Mal auf die Uhr. Ich habe Zeit gelassen, habe schon „Rückstand“, der eigentlich auch keiner ist, denn ich hatte mir auch nichts richtig vorgenommen für den Lauf. Aber in den anderen Jahren war ich schon eher oben, war ich schon eher an der Panzerstrasse. Zur freudigen Überraschung gibt es jetzt auch eine Verpflegungsstelle oben auf dem Ehberg, jeder will dabei sein, jeder will helfen, sein Stück beitragen für die Läufer. Dankbar werden die Becher genommen, Wasser geht sofort über den Kopf zur Kühlung.

Nach über 51 Minuten komme ich an der Panzerstrasse an, ca. 4 Minuten langsamer als sonst. Aber es ist zu voll, selbst mit besserer Kondition wäre nichts zu machen gewesen. Meine Freundin und mein Vater stehen wie erwartet in der Kurve oben an der Panzerstrasse (dieses Jahr zum ersten Mal), reichen einen Becher. Ich schnappe ihn, laufe aber gleich weiter (auch zum ersten Mal) und bleibe nicht stehen.
Herunter geht’s die Strasse, von weitem sind die Zuschauer zu sehen, die dicht gedrängt ein Spalier bilden und wo jeder durchmuss. Adrenalin, das erste Mal schießt es so richtig ins Blut und macht die Beine leicht, bis zur Verpflegungsstelle, dann wird gegriffen was zu greifen war und sich diese elendige Steigung hochgequält.

Hatte meine Achillessehne bisher gut gehalten, nichts von ihr gespürt, so war jetzt der erste Punkt an der ich ein leichtes Ziehen verspürte. Durchhalten, ab jetzt sind es nur ca. 23 Kilometer.
Der Truppenübungsplatz hats in sich, er ist wellig, kaum geht’s geradeaus. Er ist aber vor allem steinig und auch hier kommt ab und an einer zum Straucheln. Gerade schräg links vor mir. Ein falscher Tritt und der Kollege kann sich mit mehreren großen, wankenden Schritten gerade noch auf den Beinen halten, fast hätte es auch ihn hingerafft. Als der Truppenübungsplatz zur linken sich verabschiedet weiß ich was auf mich zukommt, dieser elendig langgezogene Anstieg bis es bergab geht zur Verpflegungsstelle. Es ist kein Berg, aber es geht hoch und ich habe von Jahr zu Jahr immer mehr den Anschein, dass dieser verdammte Weg länger wird. Wie schaffen die das ohne die Gesamtlänge zu verändern? Ein Rätsel...

Wasser, nur Wasser und gleich weiter. Die Verpflegungsstelle liegt hinter mir und um mich herum schlabbern sie an den Bechern herum. Ich knicke mir den Becher, so dass nur ein wenig herauskommt, aber trotzdem landet mindestens die Hälfte daneben bzw. in meiner Nase. Verschlucken ist das kleinste Problem.
Der Wind drückt immer wieder von hinten, die Temperaturen sind gut. Hätte ich nicht gedacht, dass es so gut läuft mit den äusseren Bedingungen. So kann es weitergehen.

Als vor mir der Tönsberg auftaucht bin ich voll konzentriert. Die Pumpe läuft gut, Atmung ist ok. Und der Kopf?? Bei der Sache, der Berg kann kommen.
So klappt der Einstieg gut, langsame, kleine Schritte, Atmung ok. Nur die Sehne zwickt immer mehr, aber noch ist es aushaltbar. Das obere Drittel gehe ich wie immer, es ist besonders steil. Aber ich fange wieder früh an zu laufen, läuft es zu gut?? Gehe ich zu schnell an?? Ich selbst rede mir doch immer ein, dass wenn man zu früh anfängt nach einer Steigung und zu schnell angeht, das sich das nur rächen wird. Aber es läuft gut, ein frischer Wind weht hier oben und man kann (wenn man denn die Zeit hat) weit übers Lipperland schauen.

In Oerlinghausen bin ich schnell, viel zu schnell eigentlich. Als ich in der Kurve zur Fussgängerzone bin überlege ich kurz wie ich hierhingekommen bin. Die letzten Minuten waren „wie im Schlaf“. Oerlinghausen rockt derweil und das geht gut ab. Ich lege ein paar Brickets mehr auf und lasse mich treiben von der Stimmung, klasse. Danch geht’s runter ins Schopketal, MEIN persönlicher Knackpunkt. Komme ich gut aus dem Tal ist alles drin, oder ich gehe total ein, denn ist auch alles drin, nur negativ.
Und heute? War ok, mein Herz sprang nicht bis in den Hals und locker war was anderes, aber es war ok. Der Blick über die Wiese war immer etwas besonderes, die Läufer zu erblicken, die vor einem liegen. Aber heute kann auch hier nichts erkannt werden, die Bäume sind zu dicht, kein Läufer zu sehen. So geht es weiter bergauf, durchs weitere Tal mit den vielen Zuschauern, den Wandweg hinauf. Hier muß ich beissen, mich zwingen, hier läuft es weniger gut. Und die Sehne schmerzt.

Der Biergarten bei Deppe ist voll. Da sitzen sie und trinken Bierchen, schauen den Läufern zu wie sie dahinschwitzen. Mir heute egal, noch läufts gut. Und die Treppen vor mir lassen sowieso an nichts anderes denken. Da sind sie, genauso hoch und genauso anstrengend wie jedes Jahr. Aber der Mythos ist etwas verflogen, hier kann sowieso nur gegangen werden, die Läufer sind zu viele, es ist wieder Stau. Die nächsten Treppen werden auch zumindest ein Stück gegangen, dann laufe ich weiter. Und hier kommt bald eine Damengruppe, die voller Inbrunst „Oh wie seid ihr schnell“ singen, schon von weitem zu hören. Das bleibt mir bei diesem Lauf haften. Die beiden Steigungen vom Eisernen Anton gehe ich, fange aber auch hier recht schnell wieder an zu laufen. Im letzten Jahr bin ich hinter dem Eisernen Anton eingebrochen, habe viele Minuten verloren, hoffentlich passiert das heute nicht noch einmal. So schnell kann plötzlich die Kraft weg sein, die Puste die man doch noch für die letzten Kilometer braucht.

Am Eisernen Anton fehlt heute leider die Unterstützung aus dem letzten Jahr, als hier richtig Powermusik gespielt wurde, schade eigentlich. Das Wetter ist doch klasse dafür! So muß es ohne Musik am Eisernen Anton vorbei zur letzten offiziellen Verpflegungsstelle weitergehen. Bananen und Wasser werden geschnappt, keine Zeit zu verlieren. Immer wieder schaue ich auf die Uhr und nach so vielen Kilometern kriege ich es nicht auf die Reihe meine Zeit hochzurechnen, was ich im Ziel für eine Zeit haben könnte. Zwischen 2:51 und 2:57 schwankte ständig die Zeit, jetzt bloß nicht langsamer werden.

Die letzten Stufen gehe ich ebenfalls, die tun richtig weh und auch hier ist Stau. Die Zeit treibt mich voran, je schneller ich wieder ins Laufen komme umso besser wird die Endzeit. „Los quäl dich du Sau!“ schreie ich mir innerlich zu. Es klappt, mit langsamen Schritten laufe ich los, Schritt für Schritt, die zwar weh tun, aber mich dem Ziel näher bringen. Das wars, jetzt geht’s fast nur noch runter.

Die Habichtshöhe ist erreicht, die Achillessehne schmerzt total, aber noch kann ich es aushalten. Noch drei Kilometer. Ich erinnere mich an den Start zurück, als nach drei Kilometer eine Frau ein Schild hochhielt: Noch 28 Kilometer. Was kann das Schild doch in diesem Moment beflügeln !!

Bei der letzten (privaten) Wasserstelle rassel ich etwas mit einem Läufer zusammen. Harmlos wie ich fand, doch schmetterte er mir seinen Zorn hinterher. Ich legte einen Zahn zu, wollte keine Diskussion jetzt. Jedes gesprochene Wort bedeutet Luftverlust, die ich dann nicht mehr zur Verfügung habe. Als hätte ich gerade mal 5 Kilometer erst in den Beinen rannte ich die Strasse herunter. Was lief das toll... Beim Tränenhügel war es dann aber vorbei, die Luft war raus, Schluß aus vorbei. Ich holte die Peitsche raus, ballte die Faust und motivierte mich – mit Erfolg, ich ließ dem Tränenhügel keine Chance. So ging es dann die Promenade entlang, auch wenn der ein oder andere mich hier noch überholte. Die letzten Meter ließ ich es locker angehen, der Abstand zum Hintermann war groß genug.

3:01 zeigte die Uhr an als ich die Linie überquerte, heruntergerechnet auf die Nettozeit 2:53:49h, mehr als fünf Minuten schneller als letztes Jahr und dieses Mal weniger kaputt, aber der Muskelkater, der bleibt wie jedes Jahr der Gleiche.

Und schauen wir mal wie es dann im nächsten Jahr zum 25. Jubiläum wird, ich bin gespannt.

Die Bilder dazu gibt es hier.
30.4.07 16:23
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Miriam / Website (3.5.07 08:31)
Und welcher von diesen Sprintern bist du?


Foermchendieb / Website (3.5.07 08:34)
Ich war so schnell, daß mich das sFrauchen nicht knipsen konnte. Ich glaub nächstes Jahr geh ich es langsamer an. :-)

Vielleicht finde ich ja noch ein Bild auf anderen Seiten, die ich hier abstellen kann.

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