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Mein Erlebnisbericht Hermannslauf 2008

Mein Jubiläum, mein großer Tag, es sollte ein rundum schöner Tag werden. Und doch…irgendwie wurde es anders, anders als die bisherigen Teilnahmen und er wird vielleicht noch einige Zeit in Erinnerung bleiben.

Eigentlich kann ich ja zufrieden sein, ich sitze hier am Schreibtisch, habe vor zwei Tagen die 31,1 Kilometer hinter mich gebracht und der Muskelkater ist zwar vorhanden, aber ich glaube er ware noch nie so schwach wie in diesem Jahr. Und doch schweifen die Gedanken zurück und ich schüttel den Kopf. Denn es ist etwas passiert, was mir noch nie passiert ist. Nun laufe ich seit so vielen Jahren, absolviere Jahr für Jahr den "Hermann" und weiß eigentlich genau was passiert bzw. passieren kann, wenn man nicht richtig vorbereitet ist oder eine falsche Renntaktik wählt. Und doch kann ich nicht sagen, daß es an diesem oder jenem gelegen hat, wahrscheinlich war es eine Verkettung mehrerer Dinge, die mir nach der Ziellinie weiche Knie verschafft hat. "Hermann" Nummer 25 bekommt auf jeden fall eine Notiz "Kreislaufprobleme" in meinem Gedächnis. Doch fangen wir von vorne an.

Geschlafen hatte ich schon lange nicht mehr so gut vor diesem Hermannslauf, eine angenehme Kühle lag noch in der Luft, als es um zehn vor neun los ging Richtung Bielefeld Innenstadt. Warum kurz vorher ausgerechnet mein Vater das Bad blockieren mußte obwohl er als Einziger überhaupt nichts mit dem Lauf in diesem Jahr zu tun hatte habe ich bis jetzt noch nicht verstanden. Aber ich hatte ja - anders als in den Jahren zuvor - eh keine Verabredung am Bus, daher war auch keine Eile da. Das Parkhaus an der Hermannstraße wird auch immer mehr genutzt und bald in der obersten Reihe fand ich einen Platz. Ich reihte mich in die Kleingruppen ein, die zu den Bussen strömten, setzte meinen Kopfhörer auf, schaltete die Musik ein, begrüsste anschliessend noch zwei Arbeitskollegen und fand mich auch schon bald im Bus Richtung Detmold.

In diesem Jahr war zum ersten Mal die Zufahrtsstraße zum Hermann hoch gesperrt, eine sehr gute Idee, da jetzt nur noch Busse oben ankommen und keine Privat-PKWs den Platz wegnehmen. Durch meine relativ späte Abfahrtszeit in Bielefeld war ich auch passend oben angekommen und musste gar nicht mehr so lange warten, konnte mich gleich fertig machen für den Lauf. Mein ehemaliger Vereinskollege war schon da und nach einem kurzen Pläuschen ging er in seine Gruppe A, ich in B - so wie jedes Jahr.

Irgendwie fing da aber schon alles an, ich hatte den Zeitpunkt des "noch mal austretens" falsch gewählt und musste zum ersten Mal in den 25 Jahren während des Laufes in die Büsche. Das war nach knapp zwei Kilometern, normalerweise schaffe ich das besser zu timen. Als es nach ein paar Kilometern am Ehberg bergauf ging ahnte ich zum ersten mal, daß es nicht leicht werden wird, das ich zum Schluß beißen muß, zu sehr war ich dort schon am schwitzen. Ich konnte noch so versuchen langsam zu laufen, nur mitzulaufen, statt aggressiv die Flucht nach vorne anzutreten. Mir gelang es nicht die Beine locker zu halten, den Puls zu kontrollieren. Oben gab es die erste Abkühlung, danach ging es bergab. Um die Ecke, rauf auf die Panzerstraße und zum ersten mal seit vielen Jahren stand nicht mein Vater an der Strecke. Ich lief wieder ganz links, so wie jedes Jahr, schaute mir die Zuschauer an. Vielleicht steht er ja doch da, war er doch spontan früher aus dem Krankenhaus entlassen worden als geplant. Aber ich sah ihn nicht, hörte meinen Namen nicht - irgendwie fehlte da was.

So lief ich an der Panzerstraße entlang, ließ den Tee sausen, nahm Wasser und versuchte so viel wie möglich davon aufzunehmen. Viel Wasser ging auch über den Kopf, inzwischen waren die letzten Wolken verschwunden und es wurde ein herrlicher Zuschauertag - zum laufen zu warm. Die Panzerstraße verlief ohne Probleme, das einzige womit ich beschäftigt war war eh nur eins: auf den Vordermann und die nächsten zwei Meter achten - damit ich nicht umknicke und aufgeben muß - so mittendrin im Nichts, nicht während meines 25. Laufes! Es sollte doch ein besonderer Lauf werden.

Auch die zweite Verpflegungsstelle nahm ich gewohnt mit, Wasser in die eine, Banane in die andere Hand - und dabei natürlich weiterlaufen. Alles lief nach Plan, ich konnte ab und an richtig frei laufen, hatte nie das Gefühl, daß ich zu schnell war. So ging es auch den Tönsberg hoch, zumindest bis zur Hälfte. Normalerweise "schaffe" ich es bis zum letzten Drittel. Dieses letzte Stück gehe ich immer, aber dieses Jahr musste ich schon viel früher "aufgeben", ging schon nach wenigen Metern. Innerlich wusste ich: "das wird keine 2:30er Zeit", aber das wusste ich eh, also brauchte ich mir keinen Kopf machen. Oben angekommen (zwischendurch hatte ich noch mal kurz zum laufen angesetzt) ging es langsam weiter und mit nicht mehr ganz so lockeren Beinen ging es bergab, durch Oerlinghausen (Hut ab vor der Stimmung dort) und hinunter ins Schopketal.

Hinauf zur ehemaligen Verpflegungsstelle lief ich, somit war meine "Achillesverse" eigentlich überstanden. Denn hier entscheidet sich normalerweise der Lauf - je nachdem wie ich aus dem Tal herauskomme. Und ich kam eigentlich gut heraus.
Weiter gings, die Straße hinauf und wieder hinunter, über die Autobahnbrücke und zu den Treppen. Von weitem sah ich schon, wieder bewaffnet mit zwei Bechern Wasser, daß die Treppen "dicht" waren. Der Einstieg in die Lämershagener Treppen verlief erst einmal stehend für einige Sekunden, dann ganz langsam gings voran, aber alles im Schritttempo. Oben ein paar meter laufen bis zu der nächsten Steigung, wieder gehen und oben war ich da. Hier hatte ich zum ersten Mal ein richtig ungutes Gefühl, daß es noch ganz schwer wird. Und doch ist jedes Mal eine Stimme im Inneren da, die mir sagt "Hey, es ist nicht weit. Lieber jetzt noch 45 Minuten quälen als ein Jahr sich ärgern". Aber die Beine wollten nicht mehr. Ich merkte wie die Beine schon seit einigen Kilometern nur noch ihren normalen Dienst verrichteten. Anweisungen schneller oder langsamer zu laufen um Kraft zu sparen verhallten ohne Wirkung. Wie ein leer gelaufener Motor erging es mir, der nicht mehr zu kontrollieren war und von Schritt zu Schritt langsamer wurde.
Es ging rauf zum Einernen Anton, natürlich im gehen. Luft bekam ich irgendwie und irgendwie auch nicht. Ich konnte frei atmen, aber mal richtig während des Gehens durchzuschnaufen und mich versuchen aufzuraffen klappte überhaupt nicht. Die Beine waren taub. Hinter der Gaststätte Eiserner Anton schaltete mein Körper auf "Notstromaggregat" um. Ab jetzt lief nur noch das Sparprogramm, die Beine machten nur noch langsame und kleine Schritte - wenn überhaupt. Kurz vor "Habichtshöhe" stolperte mein Vordermann. Ich konnte ihm noch kluge Ratschläge mitgeben, mich selber aber hatte ich nicht mehr unter Kontrolle. Hier war es auch irgendwo, daß ich die Hoffnung aufgab den lauf unter drei Stunden zu packen. Und wenn die Hoffnung erst einmal gestorben ist, dann hast du keine Chance mehr dich aufzuraffen.

Als es über die Straße hinter Gaststätte "Habichtshöhe" ein paar Meter berghoch ging musste ich gehen und plötzlich wurde mir schwindelig. Noch nie wurde mir während eines Laufes schwindelig. Ich tat es einfach ab, lief langsam weiter und es wurde besser. Als es den "Tränenhügel" hochging musste ich wieder gehen, wieder wurde mir schwindelig. Aber ca. ein Kilometer vor dem Ziel machte ich mir keine Sorgen. Noch einmal alles zusammenraffen, noch einmal alles mobilisieren, das Ziel war doch so nah.

Endlich fingen die Absperrungen an, das Ziel konnte ich sehen. Ein Blick zur Uhr….hatte ich während des Laufes eine hochgerechnete Zeit von ca. 2:53h ins Aufge gefasst, so lief ich einer Zeit von ca. 3:04h entgegen. Über die Ziellinie, ich hatte es geschafft, endlich gehen. Man überreichte mir eine Medaille und ging langsam weiter. Ein paar Schritte, ich war fix und fertig. Auf der rechten Seite sah ich meine Freundin als allererstes, dann unsere Tochter und meine Mutter. Ich hatte es mir so fest vorgenommen lächelnd ihns Ziel zu kommen, aber stattdessen musste ich mich auf der linken Seite, ca. 5 Meter entfernt erst einmal festhalten.

Unsere Tochter kam mir entgegengelaufen - mit einem Lorbeersiegerkranz. Unten hing das Stoffabzeichen für die 25-malige Teilnahme dran. Unsere Tochter überreichte mir den Kranz, war aber selber wohl so überrascht wie kaputt ich war, daß sie auf dem Absatz kehrt machte und gleich wieder zur Mama lief.

Mein Kranz für die 25te Teilnahme


Und hier beginnt Teil 2 meines Laufes.

Die drei Mädels standen mir gegenüber, ich stütze mich an der Absperrung ab und schnaufte durch. Erst einmal etwas zur Ruhe kommen, erst einmal wieder zu Kräften kommen. Viel sagen konnte ich nicht. Anstatt daß es mir besser ging bemerkte ich, daß ich schlechter sehen konnte. Von Sekunde zu Sekunde legte sich ein Weißfilter über meine Augen. Mir wurde nicht schwarz vor Augen, ich sah nur noch weiß. Ich versuchte dies zu realisieren, stand aber irgendwie neben mir. Für mich gab es nur noch zwei Farben, weiß und eine helle undefinierbare Farbe. Gesichter waren nur noch zweifarbig und fleckig, ich versuchte mich zu konzentrieren, aber es wurde nicht besser. Ich legte die Stirn kurz auf die Absperrung, versuchte dann wieder hochzukommen. Mein Nacken tat nicht weh, er versagte nur seinen Dienst. Ich hatte keine Kraft und es dauerte ewig, bis ich den Kopf wieder oben hatte. Ich hörte auch, daß man mit mir sprach, aber ich verstand die Leute nicht. Nur meine Freundin, wenn sie direkt dicht vor mir stand und mich ansprach konnte ich wahr nehmen. Durst verspürte ich dabei nicht, Hunger auch nicht. Während des ganzen Laufes hatte ich nie das Gefühl ich habe Durst oder Hunger. Nur eins wusste ich in dem Augenblick ganz genau: Ich wollte schlafen, ich wollte ins Bett. Und so sagte ich ein paar Mal zu meiner Freundin: "Ich möchte jetzt kuscheln mit dir". Aber ein Bett war weit und breit nicht da.

Minuten vergingen. An mir zogen die Läufer vorbei. Ab und an sausten Sanitäter von rechts nach links um kurze Zeit später wieder von links nach rechts mit einem Läufer auf der Trage zu marschieren. Das rote Kreuz hatte viel zu tun. Ich stand aber immer noch da. Ich hörte meine Freundin ich solle mich hinsetzen oder legen, aber das wollte ich nicht. Ich hatte Angst, daß wenn ich mich hinsetze auf den Boden, daß ich dann endgültig wegkippe und das Bewußtsein verliere. So stand ich immer noch, es musste doch von selber besser werden. Mein Kreislauf wollte aber nicht besser werden. Auf den Beinen fühlte ich mich einerseits zwar sicher und ich wußte daß ich so nicht wegkippen würde (vermutlich wäre das aber doch ganz schnell gegangen), aber ich war wie gefangen. Ich konnte aus der Situation nicht heraus, konnte keinen Schritt machen, das Blut war weg, abgesackt in die Beine, ich hatte keinen klaren Gedanken.
Mein 25. Lauf, gerade an meinem Jubiläum wollte ich nicht im Sanitätszelt oder gar Krankenhaus landen. Ich bemerkte wie man mich ansah, und nach fast einer halben Stunde ohne richtig sehen zu können, ohne hören zu können, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können, machte ich einen ersten Schritt in die richtige Richtung: Ich setzte mich hin. Ich weiß nicht wie lange es dauerte, vielleicht ein oder zwei Minuten, aber so langsam sah ich wieder Farben. Das Blut kam aus den Beinen zurück. Neben mir setzte sich auch jemand hin, der über Kreislaufprobleme klagte. Meine Freundin gab uns beiden eine Flasche und bald war fast alles wieder "normal" - Augen, Ohren, Beine …

Warum ich mich so verweigert habe mich hinzulegen, Beine hochzulegen, ich kann es nicht sagen. Darum schüttel ich noch jetzt den Kopf. Wieso? Hoffentlich reagiere ich beim nächsten Mal besser. Warum das Ganze aber überhaupt passiert ist kann ich bis heute noch nicht sagen. Die Nacht vorher war gut, getrunken habe ich vorher und während des Laufes an sich nicht wenig. Hunger verspürte ich nie und das Wetter war auch schon mal wärmer, es ging ja auch ein leichter Wind, der etwas kühlte. Warum also dann dieser Vorfall??

Meine Hermannslauferfahrungen sind um einen Punkt reicher geworden, ich hätte aber gerne eine Antwort mehr dazu.
29.4.08 16:03
 


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