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Mein Hermannslauf 2006

Es ist 8:30Uhr, Sonntag der 30. April 2006. Ich steige in mein Auto und fahre los. Die Außentemperaturanzeige meines Autos zeigt ganze 4°C an. Zu kalt für mich, da ich doch die wärmeren Temperaturen bevorzuge. Ich hasse es mir immer wieder die Frage zu stellen was ich anziehen soll, die lange Hose, die kurze Hose, nur ein T-Shirt oder da drunter noch Laufunterwäsche. Laufunterwäsche in lang oder in kurz!? Fragen, Fragen, Fragen, die mir eh keiner beantworten kann und doch suche ich immer wieder das Gespräch mit anderen. „Was ziehst du denn an?“ fragte ich noch meinen Onkel tags zuvor bei der Startkartenausgabe, aber seine Taktik half mir auch nicht weiter, er zog noch mehr an. Und da ich sehr, sehr unsicher war nahm ich erst einmal (fast) alles mit, was der Kleiderschrank Samstag morgen so hergab. Schliesslich wollte ich nach dem Abholen der Unterlagen nicht mehr zu hause vorbeifahren, sondern bei meinen Eltern übernachten. Samstag abend kramte ich alles hervor und machte eine kurze Modenschau, meine Freundin und meine Mutter gaben ihre Meinungen zu jedem einzelnen Kleidungsstück ab und nach einer Weile war mein Outfit gefunden: Hose bis übers Knie, dazu ein T-Shirt und da drunter Laufunterwäsche mit langem Arm. Würde ich den Leistungsstand der 90er Jahre haben, so gäbe es keine Diskussionen, aber die Erfahrungen des letzten Jahres machte mich sehr sehr unsicher. Denn letztes Jahr brach ich an den Lämershagener Treppen völlig ein, war ich bis dort noch auf eine 2:50h aus, so musste ich ab den „Treppen“ fast nur noch gehen und kam mit 3:14h ins Ziel. Und das wollte ich nicht noch einmal durchmachen. Die Entscheidung war nach wenigen Minuten gefallen.

Ich fuhr durch die Strassen von Bielefeld, sonntags morgens sind die Strassen noch wie ausgestorben. Nur ab und an sieht man ein Auto – mit dem gleichen Ziel wie ich: Der Bereich um die Sparrenburg, an der die Busse zum Hermannsdenkmal losfahren. Die Musik in meinem Radio habe ich ziemlich laut gestellt, sie soll mich in Schwung bringen, mich auf das bevorstehende Ereignis vorbereiten. Die Nacht war nämlich alles andere als gut. Ich hatte so gut wie gar nicht geschlafen, zu wenig Bewegung am Tag zuvor, die fremde Umgebung und natürlich die Aufregung machten einen Schlaf fast unmöglich. Dabei hatte ich extra das Stehauffrauchen in ein anderes Zimmer ausquartiert, damit ich eben meine Ruhe finde. Aber die fehlende Nähe, das beruhigende, gleichmäßige Atmen war nicht da.
Jetzt im Auto war die Müdigkeit wie verflogen. Die Musik geht ins Blut, in die Beine, der Weg zum Parkhaus ist fiel zu kurz um die Musik noch mehr aufzunehmen. Adrenalin schießt mir erstmalig an diesem Tag ins Blut.

Im Parkhaus angekommen mache ich mich mit vielen anderen Läufern auf den Weg zu den Bussen. Aber vorher muss ich noch auf Toilette. Ich gehe ins ehemalige Bavink-Gymnasium, an der die Startunterlagen ausliegen, wo die auswärtigen Teilnehmer die Nacht verbracht haben, wo viele sich treffen um gemeinsam gleich in die Busse zu steigen. Früher bin ich hier mal 2,5 Jahre lang zur Schule gegangen, daher weiß ich wo noch andere als die ausgeschilderten Toiletten sind. Aber diese sind abgeschlossen und so bleibt mir nichts anderes übrig als zu den anderen Toiletten zu gehen. Und hier erwartet mich eine lange Schlange, wobei die Schlange vor dem Männerklos weitaus länger ist als die bei den Frauen. Es macht sich nun mal bemerkbar, dass mehr als das Vierfache an Männern am Herzmannslauf teilnehmen als Frauen.
Zeit verstreicht, endlich bin ich an der Reihe und nun geht’s zu den Bussen. Hier wartet schon mein Onkel (seit fast einer halben Stunden) und ohne großartig uns aufzuhalten versuchen wir einen der Busse zu erreichen. Der Bus direkt vor uns ist bereits voll, also warten auf den Nächsten. Der erste Bus verabschiedet sich mit einer Riesenqualmwolke von den wartenden Läufern. Der Nächste hat für uns ein Plätzchen und schon geht es los. Hoch die Strasse, warten an der ersten Ampel und wupps ist der Motor aus. Mehrmals versucht der Busfahrer den Motor zu starten, vergebens. Manchmal macht der Motor nur kurze Anstrengung, manchmal geht er kurz an um nach 3 Sekunden wieder auszugehen. Erste Lacher und dumme Bemerkungen kommen von den hinteren Rängen. Schließlich stehen wir nicht irgendwo, sondern mitten auf dem Adenauerplatz, von hinten drängen weitere Autos und Busse. Nach ein paar Minuten läuft der Motor und jetzt geht’s voran.

Die Busfahrt läuft gut, auch wenn die Heizung wohl bis zum Anschlag aufgedreht wurde. Mein Onkel und ich fachsimpeln über die vergangenen Hermannsläufe und beeindrucken damit gleich 2 Läuferinnen vor uns. Tja, schließlich haben wir zusammen eine Hermannslauferfahrung von 51 Teilnahmen, da kommt schon was zusammen.
Den Weg zum „Hermann“ hoch quält sich der Bus, einer ruft von hinten „wenn einer fragt was war das Schwerste am Hermann da sag ich: Die Busfahrt“....
Aber wir schaffen es doch den Parkplatz zu erreichen, der Bus hält an, wir steigen aus und draußen fuchteln schon einige Läufer mit den Armen: „der Bus qualmt da hinten“ sagen sie. „Ach ja, das weiß ich“ entgegnet der Fahrer und sieht etwas genervt aus.
Wir sehen zu dass wir wegkommen und nicht den ganzen Qualm abkriegen, endlich wieder frische Luft.

Ca. eine Viertelstunde vergeht, dann machen wir uns fertig, cremen unsere Beine ein, packen die Sachen in den Kleiderbeutel und bringen ihn zu den LKWs. Langsam traben wir zum Startbereich, wo schon viele Läufer warten. An Startgruppe C vorbei geht es für uns in Block B und nun dauert es noch 20 Minuten bis zum Start der ersten Gruppe. Fünf Minuten vorher trete ich noch einmal kurz aus und entdecke noch Reste von Schnee. Die Kälte bemerkt man kaum in der Menschenmenge, man wärmt sich quasi gegenseitig. Eine Minute vor dem ersten Start brandet von hinten rhythmischer Applaus auf, bis ca. 10 Sekunden vorher, dann werden die Sekunden laut gezählt. Punkt 11 geht es für die ersten los, aber man erkennt sie von hinten nur kaum, sie sind zu weit weg um etwas genaueres zu erkennen. Es dauert ca. 1:30Minuten bis alle aus der ersten Gruppe weg sind. Dann wird Gruppe B auf gemacht und die Gruppe kann nun auch vor bis zur Startlinie. Noch wenige Augenblicke, dann sind wir dran. 11:04Uhr, wieder brandet Applaus auf. Noch einmal kräftig durchatmen, noch einmal Richtung Himmel schauen, kurz die Augen schließen und sich voll und ganz auf das Bevorstehende konzentrieren. Noch wenige Sekunden, noch 10...noch 9...noch 8......

Punkt 11:05Uhr sind auch wir an der Reihe. Vorne rasen sie weg und bis sich der Tross im Mittelfeld bewegt dauert einige Sekunden. Erst Schritt für Schritt geht es voran, dann kurz stehen vor der Startlinie, viele schauen noch einmal auf die Uhr und dann geht’s schnell, es geht nämlich über die Matte mit der Zeitnahme und ab jetzt gilt es für jeden, jetzt läuft auch für mich die Zeit. Eine Minute und sechs Sekunden brauche ich bis zur Startlinie. Meinen Onkel werde ich erst im Ziel wiedersehen.

Kurz etwas rauf, locker geht es dieses Mal, keine dichtes Schieben wie in den früheren Jahren, als der Zeitchip noch nicht eingeführt wurde, als alle so schnell wie möglich weg wollten und es so immer zum Riesenstau nach nur 50 Metern kam. Dieses Mal ist es lockerer, man läuft ohne Stau, nur der Untergrund scheint sehr matschig zu sein. Um den Hermann geht es herum und hier gibt es schon einige Matschstellen, die uns zwingen am Rande zu laufen. Endlich sind wir auf der Strasse, endlich ist es etwas weiter, hat man mehr Platz, aber es geht steil bergab, Gift für meine Knie, die sich schon bemerkbar machen. Ich gehe etwas zu schnell an, gerade hier ist es wichtig knieschonend zu laufen. Aber alle stürmen den Berg herunter, man läuft einfach mit. Ich weiche zwar auf den Radweg aus, der leer ist und somit hab ich Platz für mich, aber ich kann mich nicht weiter bremsen. Erst als es rechts ab geht auf den Schotterweg, wo ein Überholen nur sehr schwer möglich ist komme ich etwas zur „Vernunft“, hier heißt es mitlaufen, nicht hektisch werden und ja nicht umknicken, denn hier liegen viele große Steine herum, der Weg ist uneben. Man muss damit rechnen dass jemand von hinten in die Hacken tritt. Also langsam weg, keine Panik.
Als ich endlich die Strasse unten am Fuße des Berges erreiche merke ich wie warm mir ist, jetzt wo es gerade geht, nicht bergab zeigt sich, ob man zu warm oder richtig angezogen ist. Und ich fange an kräftig zu schwitzen!
Ich drehe mich um, schräg hinter mir sieht man den Hermann auf seinem Sockel, ein letzter stiller Gruß „bis zum nächsten Jahr“, dann bin ich auf mich allein gestellt. Es geht etwas hoch, immer noch zu schnell, die Masse zieht mich mit.

Auf dem Reitweg nehme ich wie immer lieber den volleren „Gehweg“ und nicht den Weg für die Pferde – wie jedes Jahr. Es läuft noch nicht gut bei mir, mir ist warm, meine Knie merke ich, ich schwitze ordentlich. An der Panzerstrasse steht mein Vater und das sFrauchen, dort könnt ich die Unterwäsche lassen, aber ist das der richtige Schritt? Was ist wenn ich nachher gehen muss? Es wird bestimmt verdammt kalt. Ich kremple die Ärmel hoch als es den Ehberg hinaufgeht. Einen Kilometer bergauf, jetzt beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Ich schwitze immer mehr, Schweiß tropft herunter und mir vergeht der Schwung, die Power. Negative Einstellungen während des Laufens bewirkt auch gleichzeitig ein Abfallen der Leistung. Nur wer positiv denkt hat eine gute Chance auf einen guten Lauf. Und ich befürchte dass ich, egal was ich gleich machen werde, ob ich Sachen bei meinem Vater lasse oder nicht, die falsche Entscheidung treffen werde.

Ich schnaufe durch als ich oben auf dem Ehberg bin, endlich geht es wieder runter. Und da bekomme ich während des Laufens erstmalig das Gefühl von Kälte. Ist es wirklich richtig, wenn ich gleich was ausziehe?? Noch vielleicht 500m bis zur Panzerstrasse, dann muss ich mich entscheiden. Es ist wichtiger zum Schluss warm zu bleiben, ich muss eh viel gehen zum Schluss – mein Entschluss war also gefasst.

Ich biege auf die Panzerstrasse, links stehen meine Freundin und mein Vater. Ein Küsschen von der Freundin, ein Becher Wasser von meinem Vater, das muss reichen. Zeit ist wichtig, hier wird nicht lange gewartet. Ich habe meinen Onkel im Nacken, der wie ich später erfahre vielleicht eine Minute später an dem Punkt vorbeikommt. Es wird voller auf der Panzerbrücke, hier ist in diesem Jahr zum ersten Mal eine Lautsprecheranlage mit Musik installiert. Überall wird applaudiert bis die Verpflegungsstelle kommt. Ich bevorzuge eigentlich nur Wasser, aber obwohl es draussen kalt genug ist, ist das Wasser noch kälter. Mir zieht es den Magen zusammen. Ich kippe den Rest über den Kopf und schnappe mir Tee, der ist ein wenig warm, das ist besser.
War es vorher laut, so wird es schlagartig leiser als wir den Truppenübungsplatz erreichen. Hier ist jeder auf sich konzentriert, auf sich und den Weg vor ihm. Wieder uneben, wieder vollste Konzentration. Aber es scheint hier in dem Jahr leerer zu sein als die anderen Jahre. Oft kann ich ungehindert laufen ohne jemanden direkt vor mir zu haben. Aber immer noch ist mein Tempo ein Tick zu schnell und so muss ich mich immer wieder selber ermahnen langsamer zu laufen. Ein paar Meter geht das gut, dann verfall ich in den alten Tritt.

Als ich an der zweiten Verpflegungsstelle ankomme schnappe ich mir wieder Tee zum trinken und Wasser für den Kopf. Die Kühle tut gut. 1:16h ungefähr zeigt die Uhr als ich auf die freie Lichtung hinter der Verpflegungsstelle komme, also ungefähr zwei Minuten schneller als die Richttabelle vorgibt um die 3h insgesamt zu laufen. Das ist gut, das sollte reichen, nur befürchtete ich das ich das Tempo nicht halten kann. Also weiter, nicht nachlassen, nicht aufhalten, nicht locker lassen. Ich weiß ja schliesslich was bald kommt: der Tönsberg von Oerlinghausen. Von weitem sehe ich die Massen sich den Berg hochquälen und dieses Jahr schaffe ich es nicht bis zum letzten Drittel durchzulaufen und dann zu gehen, sondern ich fange schon nach noch nicht einmal der Hälfte an zu gehen. Es ist heute zu schwer.
Neben mir jagen sie den Berg hoch, ich trabe kurz an, laufe noch einmal 20 Meter, dann gehe ich den Rest – wie jedes Jahr. Oben fange ich aber viel früher an zu laufen, ein gutes Zeichen???
Als wir auf dem Kammweg laufen sagt einer neben mir „Mann ist das schön hier!“. „Ja“ sage ich, „man mag fast stehen bleiben und sich die Landschaft anschauen.“ Das kurze Gespräch war schon wieder vorbei, unterhalten kann man sich im Ziel. Oben auf dem Tönsberg sind immer wieder kleinere Grüppchen die anfeuern. Das treibt an, aber das Beste kommt ja doch noch, denn als es bergrunter geht, wir an der Kumsttonne vorbeikommen, wird es richtig voll. Es geht weiter bergab und als wir in Oerlinghausen sind stehen die Zuschauer dicht gedrängt, so dicht wie noch nie. Teilweise ist es so eng, dass man nur allein laufen und nicht überholen kann. Die nächste Verpflegungsstelle steht an, dann geht’s runter ins Schopketal. An mir läuft ein Läufer vorbei mit Mütze – mit Hermannsmütze. Den er hat sich auf seine Mütze Flügel gebaut, so wie das Hermannsdenkmal am Start.

Im Schopketal kommt mein Knackpunkt. Komm ich gut aus dem Tal heraus oder nicht?? Die ersten Meter kann ich gut angehen, muss aber dann doch gehen. Wenige Meter, dann laufe ich wieder. Die nächste Steigung laufe ich durch, nicht schnell, aber durchgelaufen. Das gibt mir etwas Mut, das hatte ich schlimmer befürchtet. Inzwischen habe ich die Ärmel auch wieder heruntergekrempelt, es wird kalt, wenn der Körper kaputt, ausgemergelt ist. Ich versuche locker weiterzulaufen, jeder Schritt tut nun langsam weh. Meine linke Wade zwickt ein wenig, hoffentlich entwickelt sich daraus kein Krampf. Die Oberschenkel sind schon hart und schmerzen ebenfalls als ich die 20 Kilometer-Marke passiere. Noch 11 Kilometer, halte ich das durch? Und die Treppen kommen doch noch!

Weiter, ich erinnere mich an letzte Woche, wo ich mir das Rennen an gleicher Stelle mit den beiden Mädels geliefert habe. Aber heute bin ich viel langsamer unterwegs, bin schon richtig kaputt, jeder Schritt fällt schwer. Die Strasse hoch komme ich ohne zu gehen, das gibt immer wieder Mut, Schritt für Schritt, auch wenn die Schritte sehr kurz geworden sind. Kraft kann ich auch nicht mehr hineinlegen in meine Schritte. So geht es auf die nächste gefürchtete Steigung hin: die Treppen von Lämershagen. Vorher noch zwei Becher Wasser mitgenommen von einer privaten Wasserstelle und dann hinein ins „Vergnügen“. Aber keine Chance, schon nach wenigen Schritten gehe ich, keine Chance aufs durchlaufen. Obwohl erst alles frei ist, ich laufen könnte. Nach Hälfte der Treppen bleiben alle stehen, Stau nach 23km!
Alle gehen sie hier, laufen bringt nichts. Auf der letzten Stelle sitzt ein Fotograf und hält sein Objektiv jedem fast ins Gesicht. „Na der hat es gut“ denk ich noch so bei mir als ich ihn sehe. „Der braucht sich nicht quälen!“ Hier tut es besonders weh, alles, von den Füßen, die Oberschenkel, die Atmung, das Herz pocht lautstark bis in den Hals. Die nächsten Treppen „umlaufe“ ich oder ehrlicher gesagt, ich „umgehe“ sie, nehme den Alternativweg. Aber auch hier fange ich wieder früher an zu laufen. Hoffnung keimt in mir.

Nun geht es Richtung „Eiserner Anton“, die Steigung zwischendurch nehme ich genauso wie alle anderen. Kurz gehen, und recht zügig oben wieder loslaufen. Mich erstaunt es, dass ich heute sehr schnell wieder ins Laufen komme. Auch das Tempo ist nun angepasst an den Körperzustand. Ich laufe langsam, viele laufen an mir vorbei. Oben auf dem Berg erwartet uns erst einmal der Musicpoint der LAG Gütersloh. Das geht gut ab, das bringt neuen Schwung für die Bergabpassage. Bei der Verpflegungsstelle nehme ich mir Obst mit.
Der nächste Berg wird zur Tortur, aber ich schaffe auch den. Nun geht es fast nur noch runter. Als ich aus dem Wald komme und an der Gaststätte „Habichtshöhe“ vorbeilaufe hängt rechts ein Schild auf dem steht: „Helden sterben nicht im Bett“. Schöner Spruch, andere hängen jetzt faul auf dem Sofa zuhause rum! Ein Läufer meint dazu „nee, nicht im Bett, sondern auf der Zielgeraden“ – kein Kommentar! ;-)
Es geht über die letzte Strasse, eine kleine Anhöhe, dann runter. Noch 2 Kilometer. Ein Blick auf die Uhr verheißt mir Gutes. Die 3h könnt ich packen, wenn ich nicht langsamer laufe. Schließlich bin ich ja eine Minute später losgelaufen und diese Minute kann entscheiden.

Dann geht es den „Tränenhügel“ rauf, eine kleine Anhöhe, kein Berg. Hier muss ich meistens gehen, egal wie schnell ich vorher war. Auch mit schnelleren Zeiten bin ich hier schon gegangen. Aber heute laufe ich ihn hoch, heute treiben mich die 3h die Anhöhe hoch. Ich habe keine Zeit zum gehen, ich will unbedingt die drei Stunden knacken.

Vor mir liegt die lange Promenade, bei der zwar nur noch bergrunter oder gerade geht, aber so unendlich lang werden kann wenn man kaputt ohne Ende ist. So auch heute. Einige Läufer gehen noch an mir vorbei, ich kann das Tempo nicht mitgehen. Aber irgendwann sehe ich das Ziel, sehe das Ende, spurten ist nicht mehr drin, aber es reicht die Kraft um halbwegs locker einzulaufen. Kurz die Hand hochgestreckt und zur Faust geballt, dann war ich im Ziel. Die Uhr zeit 3:05:irgendwas an, abzüglich des 5 minütigen späteren Starts und die eine Minute bis zur Starlinie habe ich die 2 vorneweg! Mein eigentliches Ziel „schneller als letztes Jahr“ hab ich deutlich gepackt und vorne steht auch eine 2 – alles wunderbar.

Direkt nach der Ziellinie geht nix mehr, mir wird ein wenig übel und schwummrig vor Augen. Ein kurzer Moment, dann geht’s wieder. Aber meine Muskeln schmerzen seitdem wie Hölle. Ich kann kaum noch gehen, Treppen runter ist eine Qual und als ich heute morgen aus dem Bett aufstand ging das erst gar nicht. Ich musste mich abstützen, um überhaupt hochzukommen. Aber der Muskelkater gehört dazu, ohne den wäre es kein echter Hermannslauf.

Nur schade dass ich jetzt wieder ein Jahr warten muß bis zum nächsten Hermannslauf.

Fotos gibts hier

ANMERKUNG: Ich habe festgestellt, dass es auf der Internetseite Laufpix einen Link auf diesen Artikel sowie auf meine Seite mit den Bildern gibt. Sollte sich jemand auf den Bildern wiederfinden und dieses Bild in Originalgröße haben wollen, so bitte ich mir über "Kontakt" eine Email zukommen zu lassen. Danke.
1.5.06 16:20
 


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bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ute / Website (1.5.06 17:17)
Oooooooooh, was fuer eine klasse Geschichte. Ich habe jede Zeile verschlungen. Herzlichen Glueckwunsch, lieber Foermchendieb... und gute Erholung fuer Deine Muskeln. Ich bewundere das ganz ehrlich!!


Foermchendieb / Website (1.5.06 17:32)
Ich mein das ist ja auch eine Leistung diesen ganzen Text zu lesen. :-)
Da stöhnt selbst das sFrauchen! ;-)


Kerstin / Website (1.5.06 22:34)
Mir geht es wie Ute. Du hast sie wunderbar beschrieben, Deine Gedanken beim Lauf, Deine Gefühle, Deinen Willen durchzuhalten. Einfach Klasse und ... Hut ab.
LG ... Kerstin


Foermchendieb / Website (2.5.06 08:29)
Ich muss sagen dass mir während des Laufes weitaus mehr und bessere Ideen eingefallen sind was ich schreiben könnte (Tja, wo ich auch bin - ich denke drüber nach wie ichs bei myblog schreibe).
Aber wenn ich dann daheim vorm Rechner sitze fallen mir die guten Ideen nicht wieder ein. Das ärgerte mich gestern doch ziemlich.


Duennbrettbohrer / Website (2.5.06 08:50)
Liest sich wirklich sehr gut. Dabei denke ich schon wieder das gleich, wie seit einiger Zeit: Ich will auch mal...

Ich muss nur mal den Anfang finden und anfangen...


Foermchendieb / Website (2.5.06 09:04)
Die nächsten Tage müsste es doch auch bei dir warm und sonnig sein, oder Dünnbrettbohrer??
Dann also einfach rein in die Sportschuhe, raus aus dem Haus und da hin wo du die Bilder die Tage gemacht hast. Da fängst du an und läufst ein Weilchen. Aber glaube nicht du könntest gleich Kilometer reissen - fange klein an. Vielleicht 20 Minuten ganz langsam weg. Erst einmal Kondition sammeln, die Geschwindigkeit kommt von ganz alleine!


Duennbrettbohrer / Website (2.5.06 13:13)
Das mit dem Wetter hoffe ich, fDieb. Trotzdem fehlt mir derzeit die nötige Motivation. Ich muss mich ja schon schleifen, täglich mit dem Rad zur Arbeit zu fahren...

Mein innerer Schweinehund hat mich derzeit gut im Griff, trotzdem möchte ich einmal in meinem Leben einen (Halb-)Marathon laufen. Und mit dem Training sollte ich vielleicht nicht erst in 10 Jahren anfangen...


mirjam / Website (2.5.06 22:25)
puh! wirklich hut ab, vor so einer leistung!

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