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Hermannslauf 2009 – mein 26ter

Dieses Jahr beginnt meine Geschichte nicht am Morgen des letzten Sonntag im April. Sie beginnt im Herbst letzten Jahres, als ich, es war ein verregneter kalter Herbstabend, meine Laufschuhe anzog und meine Runden drehte. Ohne mich aufzuwärmen, zu dehnen, mich vorzubereiten lief ich los und – es lief doch so gut – gab ich unterwegs so richtig Gas. Irgendwann verspürte ich große Schmerzen in meiner Achillessehne, doch anstatt zwei Gänge herunterzuschalten lief ich weiter, am Auto vorbei um noch eine Runde zu drehen. „Es ist ja Herbst, da mach ich halt ein paar Tage nachher Pause, das wird schon wieder.“
Wie sehr ich mich irrte musste ich in den nächsten Wochen erfahren, denn egal wie lange ich pausierte, egal wie wenig und langsam ich auch lief, nach spätestens 30Minuten war der Schmerz wieder da. Frust machte sich breit – und der Termin der Hermannslaufanmeldung rückte näher. Auch der neu erworbene Crosstrainer half nicht. Nur eine gewisse Grundkondition konnte ich damit halten. Aber auch hier konnte ich den Schmerz nicht loswerden, nur höchstens im Zaume halten.
Es kam der 6. Dezember, die Onlineanmeldung startete und ich liess mir Zeit. Anfang Januar hatte ich immer noch keine Eile, denn der Schmerz wurde nicht besser. Er war schlimm, aber er wollte nicht gehen.
Ende Januar wusste ich immer noch nicht, ob ich mich auf Verdacht anmelden sollte oder es besser ließe. Mit Schmerzen die ganze Zeit trainieren?
Am Sonntag abend hörte ich noch von meinem Vater dass bald die Anmeldephase zu Ende sei, aber ich wollte es bis zuletzt hinauszögern. Noch ein Lauf, ein Probelauf, irgendwie hoffte ich dass der Aufschluß bringen würde. Danach, wenn alles gut gehen würde, stünde der Anmeldung nix mehr im Wege.

Ich glaub es war ein Dienstag, gegen Mittag. Ich schaute in meiner Arbeitspause auf die Onliendatenbank wie viel sich denn schon angemeldet hatten. Gut 6000 waren es und zu meinem Entsetzen – mir wurde richtig flau im Magen – war die Onlineanmeldung gesperrt. Das Limit war erreicht, nichts ging mehr. Ich fuhr nach hause, kramte die Papieranmeldung hervor, unterschrieb sie und schickte sie noch vor 16Uhr los, auf jeden Fall so, dass sie am nächsten Tag beim TSVE da sein müsste. Das bange warten ging los und die große Hoffnung, das die Papieranmeldung ein wenig länger ging als die Onlineanmeldung. Nach ca. anderthalb Wochen hielt ich den Brief in der Hand in der mir mitgeteilt wurde, dass ich nicht dabei bin – bei meinem Hermannslauf.

Aus Trotz kaufte ich mir einen Tag später neue Laufschuhe und ging auf die Suche nach einer Startnummer. Dabei half mir das Internet und am 1.April konnte ich Erfolg melden. Ich hatte jemanden gefunden der mir netterweise die Startnummer überlassen würde. Das Training hatte ich inzwischen intensiviert, klappte es mit den neuen Schuhen doch umso besser als mit den Alten. Aber konnte ich das aufholen, was ich bisher versäumt hatte an Training? Ich tat was ich konnte.

Samstag Nachmittag fuhr ich wie gewohnt zur Startkartenausgabe, nur dieses Mal ohne Anmeldung. Ein merkwürdiges Gefühl und dieses Mal ganz ohne Lust, denn ich war unsicher ob ich tatsächlich die Karte bekommen würde und das anschliessende lange Anstehen am Ummeldeschalter macht auch keinen Spaß. Aber spätestens als ich die Karte in der Hand hielt und die Ummeldung reibungslos und sehr schnell vonstatten lief, schwenkte die Stimmung um und ich konnte mein Glück kaum fassen, ich war dabei und das jetzt auch ganz offiziell.

Am Sonntag morgen stand ich wie immer gegen neu bei den Bussen und alles lief seinen gewohnten Gang. Leider stand ich dort alleine, mit all den anderen Mitläufern. Dieses Jahr war keiner mehr dabei von den alten Weggefährten. Wehmütig blickt man etwas zurück, als vor über 20 Jahren eine grosse Truppe am Hermann auf der Wiese lag und wir uns alle fertig machten das Abenteuer auf uns zu nehmen. Von der großen Truppe ist einer übriggeblieben, zumindest bei den Läufern. Meine Mutter war schon vorher gestartet und strebte schon dem Ziel entgegen, aber es ist etwas anderes, wenn man vorher startet, zumindest für mich, denn als ich oben auf der Wiese stand und ich mich fertig machte fühlte ich mich schon etwas allein. Aber das verging dann auch schnell, spätestens als ich der Menge stand und glücklicherweise wieder in Startgruppe B.

Den Startschuß um 11 bekam ich gar nicht mit, denn ich stand so, dass ich die Uhr am Start gar nicht sehen konnte. Irgendwann sah ich vorne die Läufer loslaufen und wenig später ging es für uns dann auch wieder ein Stück nach vorne. Keine fünf Minuten bis zum Start und Radio Bielefeld übertrug live von der Startlinie. Noch eine Minute. Rhythmisches Klatschen begann, die letzten 10 Sekunden wurden heruntergezählt und dann ging es auch für uns los. Erst langsam, gehenderweise über die Startlinie und dann trabend bis zur ersten Kurve. An mir preschten die ersten vorbei, wahrscheinlich stand bei den denen das Essen fertig auf dem Tisch. Kann mir sonst nicht vorstellen was es da so eiliges gab.
Die Straße herunter lief es wie immer, laufen lassen, in den Rhythmus kommen und nur nicht stürzen, weil man einen Moment nicht aufgepasst hat. Auch auf dem Schotterweg ging es weiter und gut auf der Hälfte machte es direkt schräg vor mir „Klatsch“ und da legte sich einer der Länge nach hin. Ich weiß schon warum ich da höllisch aufpasse. Nach etwas mehr als drei Kilometern ging es dann wieder gerade und nun merkte man vielleicht schon das erste Mal ob es läuft oder nicht. Und bei mir lief es nicht. Nicht das es schlecht lief, aber gut ist etwas anderes und ich fühlte mich als hätte ich zu allem Lust – nur nicht zum „Hermann“ laufen. Es fehlte der Biss, die Entschlossenheit, die Konzentration. Ich liess mich treiben statt anzutreiben. Hätte man mir nach 4 Kilometern gesagt, dass der Lauf abgebrochen wird und alle nach hause gehen könnten, ich hätte es gemacht. Ich vermute das es an der Wärme gelegen hat, denn schon hier war es warm und man wusste es wird noch wärmer.

Aber ich versuchte aus der Situation das Beste zu machen. Jahr für Jahr hetzte ich mich auf der ersten Hälfte zu meiner angestrebten Zwischenzeit um zum Schluß zu erkennen, dass keine Körner mehr vorhanden waren und ich kläglich einging. Ich versuchte daher mir einzureden auf jeden Fall langsam zu laufen, keinen Stress zu machen, vielleicht würde mir das auf den letzten Kilometern etwas bringen.
So lief ich den Ehberg hinauf und war auf halber Strecke schon durchgeschwitzt. Sollte ich nicht die Kondition haben wie erhofft? Ich hatte doch von den langen Samstagläufen ein gutes Gefühl mitgebracht, dass ich es doch auf jeden Fall schaffen würde.
Die Panzerstraße war voll mit Zuschauern und die Verpflegungsstelle wurde reichlich genutzt. Ich versuchte viel zu trinken, den Kopf zu kühlen. Aber es sollte mir während des gesamten Wettkampfes nicht gelingen dieses Gefühl etwas trinken zu müssen wieder loszuwerden. Die Luft war total trocken und wenn ich etwas getrunken hatte dauerte es nicht lange und ich bekam wieder Durst. Überall lag Staub in der Luft, vor allem am Truppenübungsplatz.

Mit ständig angezogener Bremse, die ab und an gelockert wurde, kämpfte ich mich weiter. Stapelager Schlucht, die Zeit war schon hinter den normalen Zeiten hinterher, aber ich wollte mir keinen Stress machen. „Egal“ redete ich mir immer wieder ein.
Der Tönsberg liess mich erahnen, dass es richtig schwer wird heute, denn ich musste schon früh gehen. Keine Chance den fast bis oben zu laufen. Oben angekommen lief es natürlich wieder, aber für wie lange,denn das Schopketal lauert und ganz gewiss auch auf mich, denn hier ist mein persönlicher Knackpunkt. Oerlinghausen nimmt man immer locker, so wie hier angefeuert wird. Es geht ha auch höchstens geradeaus oder runter und bei den ganzen Zuschauern st alles recht locker. Aber wie das so ist, wenn es lange gut bergab läuft dann erwischts einen dann beim nächsten Anstieg. An der ehemaligen Versorgungsstelle warn die Beine ganz ganz schwer und ich wusste es da bereits, dass es zum Schluß wieder zu einer Quälerei kommen wird. Kurze Zeit später traf ich die Vorbesitzerin meiner Startnummer und dann war es nicht mehr weit bis zu den Treppen. Die Treppen, dass hatte ich mir schon lange vorher vorgenommen, wollte ich hochgehen und das Gehen wollte ich auch sehr früh anfangen. Die paar Meter mehr, die ich vielleicht noch hätte laufen können, bringen es auch nicht wirklich. Tja, und dann quälte ich mich die Treppen hoch als hätte ich den Hermannslauf schon zwei Mal hinter mich gebracht. Gott sei Dank war eh Stau und alle gingen langsam, aber so schwer hatte ich es mir nicht vorgestellt gehabt. Oben lief ich auch erst nicht weiter und machte nur ein paar Laufschritte bevor ich die nächsten Stufen erreichte.

An den Treppen war aber spätestens der Punkt erreicht, an dem ich mit Gewissheit wusste, dass ich alles was ich hatte an die Front geschmissen habe und nun nur noch im dunkelroten Bereich weiterlief – oder weiterging. Und die Steigung zwischen Treppen und eisernen Anton zeigte, dass ich nicht alleine war mit dem Problem. Hier waren alle mit sich selbst beschäftigt, um mich herum sagte niemand etwas. Es war still, nur das leise Auftreten der Schuhe auf dem Weg war zu hören. Half aber alles nix, ich hatte noch einige Kilometer vor mir und die verliefen qualvoll. Zu holen gab es nichts mehr an Steigungen, die wurden komplett gegangen, egal wie kurz sie waren. Bergrunter wurde ich auch überholt, so dass ich überhaupt keine Motivation mehr hatte weiterzumachen. Aufgeben gab es aber nicht, ich musste eh weiter bis zum Schluß.

Kurz vor Habichtshöhe überholte ich meine Mutter – zum ersten Mal. Ich hatte mir das immer schön vorgestellt mir ihr ein Mal zusammen ins Ziel zu laufen, aber mehr als drei Kilometer waren doch ein wenig viel und sie sah auch schon mächtig kaputt aus. Ich tauschten uns kurz aus, dann lief, bzw. eierte ich weiter.
Vor der Zielgeraden kam mir ein Krankenwagen entgegen. Wieder musste ich gehen. Jetzt nur nicht schlapp machen. Zu hunderten sind die Läufer an mir vorbeigezogen auf den letzten Kilometern und ich schaffe das auch noch. Jedes Mal hat man das Gefühl das es in diesem Jahr besonders schwer ist und dass die Promenade wieder ein Stückchen länger geworden ist. Aber überall stehen die Leute, mehr als all die Jahre zuvor, du kannst jetzt nicht gehen. Zähne zusammenbeissen. Wahrscheinlich sehe ich wieder so aus, als hätte man mir zig Messer in die Beine gerammt, so verbissen muss ich dreinschauen. Inzwischen stehen die Leute so dicht gedrängt, dass das Überholen der Läufer schwer fällt und kaum noch ohne Rempeleien vonstatten geht. Zumindest werde ich überholt, an den letzten den ich stehen gelassen habe kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Muß Kilometer vor dem Ziel gewesen sein.
Endlich wird es breiter, 100m bis zum Zieleinlauf. Nachts und links hinten geschaut, die schnelleren Läufer vorbeigelassen damit mir keiner mehr hinten reintritt. Die Lücke abgewartet und dann kurz mit erhobenen Finger ins Ziel eingetrudelt. Hab extra darauf geachtet nicht ganz so grimmig zu gucken.

Dann gabs die Medaille und einige Meter weiter stand die Familie am Rand. Von weitem winkte ich ihnen zu, denn sie sollen nicht noch einmal das erleben, was mir letztes Jahr widerfuhr. Ich wollte eigentlich auf meine Mutter dort warten, aber ich merkte, wie mir wieder das Blut absackte, wie mir wieder etwas mulmig wurde, die Farbe aus meinen Bildern verschwand. Meine Freundin begleitete mich und wir gingen zur Wiese damit ich mich setzen konnte. Natürlich wurde vorher noch etwas Tee und Obst geholt.

Es dauerte lange bis ich wieder auf die Beine kam. Der Kreislauf wollte sich nicht stabilisieren. Inzwischen hatten meine Bilder wieder Farbe, aber das mulmige Gefühl blieb. Ich stand irgendwann auf und merkte bald wieder dass die Farbe verschwand. Ich sah zu dass ich mich wieder hinlegte, dieses Mal aber mit den Beinen nach oben. Es dauerte ungefähr eine Stunde bis ich mich so fit fühlte um meine Sachen zu holen. Eine bisschen Sorgen macht mir das schon, aber nun hatten wir zwei Jahre lang warmes, extremes Wetter gehabt. Wenn es bei kaltem Wetter immer noch so ist, dann muß ich mir was anderen einfallen lassen.
Irgendwann gingen wir dann meine Sachen holen und anschliessend fuhren wir heim. Knapp 3:11h habe ich gebraucht und ich muss sagen, dass ich trotz der Kreislaufprobleme, aber gerade wegen der verkürzten Trainingsphase ich sehr zufrieden sein muß. Zeiten von 2:30h sind halt nicht mehr drin, Spaß hatte ich aber trotzdem und dass ist was zählt. Und nächsten Jahr?? Da bin ich natürlich wieder mit dabei – und melde mich früher an.
27.4.09 23:07
 


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