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Hermannslauf 2010

Nun habe ich den diesjährigen Hermann auch hinter mich gebracht und ich muß sagen: Gott sei Dank. Von A-Z lief der Lauf bzw. die Vorbereitung nicht so wie es sollte. Anfang Januar ist immer meine Zeit wo ich innerlich sage "jetzt gehts los". Weihnachten ist vorbei, die Pfunde sind angefressen, genug Motivation zu sagen daß es wieder Zeit wird sich aufzuraffen. Ok, die Motivation war da, aber die äusseren Umstände passten nicht zu meiner Motivation. Wie im vergangenen Jahr machte der Winter einen ordentlichen Strich durch die Rechnung und ich musste auf "Ersatztraining" umsteigen, sprich Crosstrainer, anstatt Laufen zu gehen. So schön das Ding ja auch ist, aber es ist kein Vergleich zu einem ordentlichen Lauf an frischer Luft, man merkt spätestens wenn man wieder in den Wald kann um zu laufen, daß man trotz "normalem" Training auf den Crosstrainer gar keine wirkliche Kondition hat.
Außerdem machte mich die andauernde Erkältung zu schaffen, die mich immer wieder ausbremste. Merkwürdigerweise ist seit Sonntag alles wie weggeblasen. Ja hab ich mir die denn nur eingebildet? Ist schon merkwürdig, was der Kopf manchmal so alles mit einem anstellt. Oder was mag hier der Grund sein?

Tja, die Vorbereitung war irgendwann vorbei und es kam der Tag der Anreise nach Bielefeld, ca. 20h vor dem Lauf. Und eben diese letzten Stunden machten mich kirre. Langsam drehte sich alles im Kopf nur noch um den Lauf, aber wirklich nervös war ich nicht. Es war mehr so ein Gefühl wie eigentlich immer vor den langen Läufen am Wochenende: Keine Lust. Die Lust kommt spätestens beim Laufen, das wusste ich, aber trotzdem war dieses Jahr anders. Es war kein "wann gehts endlich los?" sondern mehr ein "hoffentlich ist bald Sonntag nachmittag". Das lag zum einen garantiert an den zu erwartenden Temperaturen, 24°C sollten es nämlich werden. Früher - als man noch jung war - habe ich immer gehofft, daß es warm wird. So konnte ich die "Kampfsau" rauslassen und war voll in meinem Element. Da ich aber seit 3 Jahren Probleme mit dem Kreislauf habe, ist das warme Wetter so gar nicht mehr mein Fall. Die Wärme mag ich schon noch, aber wenn ich vielleicht wieder im Ziel statt erhobenen Hauptes mehr die Absperrung suche um mich festzuhalten, wenn mir ganz schwummrig wird und ich lange Zeit brauche um wieder auf die Füße zu kommen, dann gehöre ich nun auch zu denen die sagen "12, 13°C wären mir aber lieber".
Außerdem passten mir meine Schuhe nicht mehr. Klingt komisch, zumal ich ja die Schuhe an hatte, die ich sonst immer auch zu meinen Trainingeinheiten benutzt habe. Aber es kam ein Gefühl auf als würde ich spätestens nach einer Stunde mir eine Blase laufen und dann 20Km bis ins Ziel mich quälen müsste. Das alles gab mir das Gefühl eigentlich gar nicht starten zu wollen.

26 Hermannsläufe sind aber schon eine Hausnummer und man hat sich seine gewohnten Abläufe angeeignet. Kurz nach sieben aufstehen, essen, fertig machen und kurz vor halb Neun gehts los Richtung Innenstadt. Tür zu vom Auto, Motor an, Musik laut - und schon war sie da, der gewohnte "Kick", das "jetzt gehts los" und im Kopf laufen die üblichen Dinge ab. Ich war endlich angekommen bei meinem Hermannslauf.
Das Parkhaus ist von Jahr zu Jahr auch immer voller und so musste ich bald ganz oben parken. Meinem Kollegen noch fast über die Füße gefahren und dann sind wir beide hin zu den Bussen, die wie immer Jahr für Jahr uns Läufer zum "Hermann" bringen.

Oben angekommen war wie immer das übliche Gewusel. Ich verzog mich auf die Wiese, wo ich nun schon seit 1983 (mit Ausnahme das eine Jahr wo es geschneit hat) stehe und mich fertig mache. Aber schon jetzt merkte man daß die Sonne schon sehr viel Kraft hatte. Die Sachen weggebracht, es ging rein in Gruppe B und die letzten 15, 20 Minuten abgewartet. Wo war eigentlich dieses Jahr die Uhr? Die letzten Sekunden runtergezählt, langsam bewegte sich der Tross. Nach zwei Minuten war ich an der Startlinie und dann wurds ernst. Dieses Jahr war alles ruhig um mich herum, kein großes Geschiebe und Gedränge. Sollten sich die Leute etwa bewusst sein was da auf sie zukommt und laufen deshalb gesittet los? Also ging es um den Hermann herum, die Straße bergab, den Schotterweg entlang (und es staubte schon ordentlich), den Reiterweg immer schön einen nach dem anderen im Gänsemarsch und dann rauf auf die Straße. Dieses Jahr gab es zum ersten Mal die Verpflegungsstelle am Fuße des Ehberges anstatt direkt am höchsten Punkt, was aus logistischer Sicht sicherlich besser, aber für den Läufer eher überraschend und unübersichtlich war. Durch den großen Baumstamm auf dem Weg ging es nur Tröpfchenweise voran und alles dreängte zur Verpflegungsstelle hin. Ich konnte mir ein, zwei Becher ergattern und lief weiter. Das Wasser war kalt, zu kalt. Den größten Teil goss ich mir über den Kopf, aber das was ich getrunken habe (der Kopf sagte mir schliesslich ich solle viel trinken bei dem Wetter) bekam mir gar nicht gut, ich bekam leichte Bauchschmerzen. Diese Bauchschmerzen blieben auch so ziemlich die ganze Zeit während des Laufens und so trank ich wahrscheinlich weniger als ich es eigentlich wollte bzw. es auch musste. Das "Unheil" nahm seinen Lauf. Ich spürte zwar das ich viel in den Tagen vor dem Lauf getrunken hatte, aber das hilft nur bedingt.

Auch die nächste Verpflegungsstelle lief nicht optimal. Direkt am Anfang der Panzerstarße stand der große Truck von C*** - mit zwei kleinen Tischchen davor. Die die da hinter den Tischen am einschütten waren, waren völllig überlastet und so musste ich weiterlaufen, die nächste offizielle VStelle war ja nicht mehr weit.
Den Truppenübungsplatz hatte ich noch gut geschafft aber schon hier merkte ich, daß ich immer wieder mit den Schuhen an Steinen hängen blieb, ich also die Füße nicht richtig hochnahm. Ein erstes Zeichen von Schwäche bzw. fehlender Kraft. Den Tönsberg bin ich fast komplett gegangen, die Zuschauer waren mir hier egal. Oben wieder angelaufen taten mir schon die Oberschenkel weh, das nächste Zeichen für das was sich da anbahnte. Oerlinghausen war wie immer klasse, ich hatte zumindest fürs Foto bzw. auch für die Kamera noch ein Lächeln übrig.
Knackpunkt Schopketal, wie immer. Nach den ganzen Kilometern bergab kommt das Schopketal wie eine fast unüberwindbare Mauer. Kein Biss, keine Motivation, keine Kraft um hier hochzulaufen. Gehen, ok. Egal. Aber das Anlaufen fiel schwer und die Lockerheit war weg. Nur schwer konnte ich weiterlaufen und nahm die Steigung auf der Straße halb laufend, halb gehend noch mit. Ab da war es vorbei. Vor den Treppen sind immer viele Leute und klatschen aber ich konnte nicht mehr, musste gehen. Wieso konnte ich nicht laufen? Warum schon hier?
Die Treppen waren proppevoll, Stau wie immer. Nur langsam quälten wir uns hoch, ich hielt mich schon seitlich fest, das Herz sprang bis in den Hals. Oben kurzes Anlaufen aber sofort wieder gegangen. Die nächsten Stufen kamen. "Hermänner" oder "Weicheier" war die Frage. Innerlich wie ein rohes Ei versuchte ich zumindest äusserlich wie ein echter "Hermann" zu sein, ich wählte die Treppen anstatt aussen drumherum zu laufen. Die Schotten liess ich links liegen und ab hier lief ich keine Steigung mehr. Auf dem Weg zum "eisernen Anton" kann ich mich erinnern daß ich mit einigen Läufern noch mithalten konnte, bergauf war ich aber der Erste der ging. Bei der VStelle "Eiserner Anton" versuchte ich das erste Mal Elektrolyte, aber es war wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Keine Chance noch etwas aufzuholen an Flüßigkeit, das Thema war durch, hauptsache ankommen - irgendwann.

Die letzte große Steigung hinter der Gaststätte, ich gab mich kämpferisch, hier gingen alle und ich (bei einem kleinen zufällig zusammengekommenen Trüppchen) vorneweg. Wir scherzten, bemiteleideten uns gegenseitig und obwohl ich als Erster mit dem Laufen anfing hatten die Anderen sofort einige Meter an Vorsprung herausgeholt. Hatten die nicht eben noch gejammert? Wie witzig.
3,5km vor dem Ziel lag ein Läufer am Rand, um ihn herum kümmerten sich drei Mitläufer. Der Kreislauf machte nicht mit. Ich lief aber weiter, es ging ja leicht bergab. Mir kam erst der Sanitäter entgegen, dann der Krankenwagen (im Wald). Als ich neben dem Wagen herlief machte er seine Sirene an, danke dafür nochmal. :-(
Es ging über die Straße, leicht bergauf, ich ging, der Kreislauf sackte weg. Ich merkte wie mir, wie genau vor zwei Jahren, schwindelig wurde und ich mich konzentrieren musste was ich ab jetzt tue. Gehen, laufen, wieder gehen, die Zeit (obwohl längst egal) verflog. Nach 20km hatte ich vielleicht noch eine 3h vor Augen, davon war ich jetzt weit entfernt.
Die Promenade kam, den Tränenhügel rauf (gegangen), oben ein Stück gelaufen, dann wieder gehen. An mir liefen sie hier dutzendweise vorbei. Keine Chance mehr mit einem mitzuhalten. Ich war gehend fast genauso schnell wie laufen. Und wie das dann immer so ist, zieht sich die Promenade ins Unendliche. Die Zuschauer standen dichter, das Ziel kam in Sicht. Irgendwo mußte doch mein Anhang sein? Rechts geschaut, links geschaut, in der Masse nicht zu erkennen. Die Absperrung machte den Laufweg nun breiter, wie bei ca. Km27 bekam ich Wadenkrämpfe und das auf den letzten Metern. Durchbeissen, fertig. Keine Hand zum Sieg erhoben, Hauptsache angekommen, abhaken, nächstes Jahr wird besser.
Dieses Mal gab es ja bekanntlich keine Medaillen, irgendwo in Fernost wegen Vulkanasche hängengeblieben. Dafür gab es ein Mikrostück Schokolade. Der Wille zählt ja, also wars ok. Die erste VStelle liess ich aus um noch ein paar Meter langsam weiter zu gehen. Bloss nicht wieder diese Aussetzer, aber leider kamen sie, nur dieses Mal war ich vorbereitet. Ich setzte mich hin und schon konnten meine Augen wieder "Farben" sehen. 10 Minuten, vielleicht waren es auch 20 Minuten sass ich da und dann war ich bereit mir meine Sachen zu holen. Bis ich aber wieder völlig auf dem Damm war verging noch einige Zeit.

Nächstes Jahr ist Ostern am letzten Wochenende im April, daher ist der Hermann eine Woche früher. Hoffentlich ist das Wetter dann besser, daß ich endlich mal wieder Kreislauffrei bin. Oder bin ich tatsächlich schon zu alt für den Hermannslauf?? Ich hoffe nicht.
27.4.10 23:08
 


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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Liesel / Website (28.4.10 12:27)
Na also ... angekommen. Glückwunsch!!!


Liesel / Website (8.4.11 09:47)
Und? Startest Du am 17. April wieder?


Foermchendieb (8.4.11 12:22)
ja sicher!! :-)
Wenn gleich auch "nur" die Teilnahme im Vordergrund steht - den Platz auf dem Treppchen überlasse ich dieses Mal anderen ;-)


Liesel (15.4.11 10:29)
Na dann wünsche ich mal viel Spaß am Sonntag, vernünftiges Laufwetter, entspannte Muskeln und immer das richtige Quentchen Luft in der Lunge.
Viel Erfolg und gutes Ankommen !!!


DaddyChronic / Website (28.8.11 13:05)
Liebe Grüße aus Berlin. :-)

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